Samstag, 19. Dezember 2009

François Lelord – Hector & Hector und die Geheimnisse des Lebens

Als ich heute sehr spät aufstand und den Rolladen hochkurbelte, schneite es bereits heftig. Eigentlich hatte ich ja vor einkaufen zu gehen, aber die zu erwartenden Menschenmengen an einem Samstagnachmittag, sowie der viele Schnee hielten mich davon ab. Ich lies mir also die Badewanne einlaufen und schnappte mir ein Buch aus dem grossen Stapel der Bücher, die noch gelesen werden wollen. So lag ich also in der Wanne und las, bis es an der Haustüre klingelte. Doch bis ich mich abgetrocknet und den Bademantel angezogen hatte, war niemand mehr da. Allerdings bemerkte ich, dass es bereits dunkel geworden war.

Von François Lelord habe ich bisher alle Bücher gelesen und sie gefallen mir immer wieder und so habe ich mich auch auf das neue ‚Hector-Buch’ gefreut. Unser Protagonist ist inzwischen älter geworden und hat nun eine eigene Familie. Und ja, sein Sohn heisst auch Hector. Petit-Hector um genau zu sein; und seine Perspektive ist es auch, durch die wie die Welt von Hector, Claire und Petit-Hector kennen lernen.

Eigentlich kommt Petit-Hector (bis auf seinen ausgefallenen Berufswunsch) ganz nach seinem Vater, denn schon früh versucht er die Geheimnisse der Welt zu erkunden und macht sich hierzu ebenfalls Notizen in seinem kleinen Notizbuch. So folgen wir Petit-Hector durch seine – wie er das ausdrückt – verschiedenen Leben. Sein Leben als Kind in der Familie, als Schüler in der Schule, als Freund unter Freunden und allmählich beginnt sich auch eine weitere Welt abzuzeichnen. Eine Welt, die Petit-Hector mit Amandine gleichsetzt.

Wie von Lelord gewohnt, liest sich das Buch sehr flüssig und kurzweilig. Die Zeit verging im Flug, auch wenn man sich manchmal, gerade im Hinblick auf die ersten beiden Hector-Bücher, mehr philosophische Aspekte gewünscht hätte. Aber im Epilog sieht man dann doch auch, dass Petit-Hector und sein Vater ganz ähnliche Schlüsse aus zum Teil ganz anderen Erfahrungen ziehen. Nur eines beschäftigt zumindest die romantisch veranlagten Leser – Was ist mit Amandine???

Alles in allem, ein nettes kurzweiliges Buch, das sicher für alle Hector-Leser ein Muss ist. Allen Anderen würde ich wirklich erst die anderen Hector-Bücher (‚Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück’, ‚Hector und die Geheimnisse der Liebe’ sowie ‚Hector und die Entdeckung der Zeit’), das Vorgängerbuch (‚im Durcheinanderland der Liebe’) oder die populärwissenschaftlichen Bücher (‚Der ganz normale Wahnsinn: Vom Umgang mit schwierigen Menschen’, ‚Die Macht der Emotionen: und wie sie unseren Alltag bestimmen’ und ‚Die Kunst der Selbstachtung’) empfehlen.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Der fernste Ort – Daniel Kehlmann

Von Daniel Kehlmann habe ich bisher nur ‚Die Vermessung der Welt’ gelesen und war ziemlich begeistert davon. Folglich war ich auch sehr gespannt, als ich ‚Der fernste Ort’ vom Stapel der Bücher nahm, die ich noch lesen will. Eigentlich ist der Stapel schon viel zu gross geworden, aber neben all dem, was ich für das Studium lese, kommen im Moment Romane einfach etwas zu kurz.

Julian ist ein Versicherungsangestellter, der zusammen mit seinem Vorgesetzten auf einer Konferenz ist und dort einen Vortrag halten soll. Einen Vortrag, welchen er weder imstande noch willens ist zu halten und so kommt ihm die Gelegenheit sein Ertrinken im nahe gelegenen See vorzutäuschen, um sich aus seinem alten Leben zu verabschieden, wie gerufen.

Im Folgenden vermischt der Autor den Fortgang der Handlung mit Rückblicken aus dem Leben Daniels. Ein Leben, welches unaufhörlich voranschreitet ohne gelebt zu werden. Ein Leben, welches einfach so geschieht und ein Daniel, der schon früh gelernt hat es geschehen zu lassen. Selbst der Ausreissversuch, den Daniel bereits in jungen Jahren unternommen hat und welcher den Hintergrund für die Entwicklung der Geschichte bietet, scheint eher Ausdruck einer unausweichlichen Notwendigkeit des Ganges der Dinge zu sein, als einer sich letztmals aufbäumenden Selbstbestimmtheit zu entspringen. Gezeichnet wird das Bild eines Mannes, der sein Leben getränkt von Dysthymie und Gleichgültigkeit geschehen lässt und wie ein unbeteiligter Zuschauer das sich darbietende Schauspiel verfolgt.

Überzeugt hat mich das Buch jedoch nicht. Zu unmotiviert ist das Verhalten Daniels, und zu plakativ stereotypisch erscheinen mir zuweilen die Schilderungen der Anteilnahmslosigkeit, welche Daniel seinem Leben gegenüber zeigt; Zu forciert der Versuch eine Atmosphäre der bedrückenden Unausweichlichkeit des Schicksals zu zeichnen, welche nur durch Resignation ertragen werden kann. Zwar sind manche dieser Schilderungen gut gelungen, in ihrer Gesamtheit bleiben sie aber - wie das ganze Buch - unglaubwürdig.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Bewegte Bilder – Kseniya Simonova

Gestern habe ich zum ersten Mal eine Vorstellung von Kseniya Simonova gesehen und war hin und weg von dem, was ich da gesehen habe. So etwas habe ich noch nie vorher gesehen.

In Bildern, welche sich bewegen während sie gezeichnet werden, kann man das Altern von Menschen beobachten, kann beobachten wie die Zeiten um sie herum sich ändern, der Krieg den Frieden ablöst und wie aus demselben wieder Neues erwächst. Man wird zum Zeuge, wenn sich Szenen aus dem Leben in den Bildern zu neuen Bildern wandeln und auch neues Leben entsteht – UNGLAUBLICH !!!

Offensichtlich war Kseniya Simonova eine Kandidatin in der Ukrainischen TV-Sendung ‚Ukraine’s Got Talent’, wohl unserem ‚Deutschland sucht den Superstar’ oder ähnlichen Formaten verwandt. So abgedroschen und verödet ich diese Formate finde, so sehr hat mich das, was ich da gesehen habe wirklich bewegt.

Völlig in den Bann gezogen sieht man zu, wie die Bilder passend zur Musik ihre eigenen Geschichten erzählen und was für eine Ausdruckskraft und wie viele Gefühle ein einer schlichten Handbewegung im Sand verborgen sind!

Hier noch eine weitere Animation in zwei Teilen: Teil I, Teil II

Sonntag, 13. Dezember 2009

Tango

Seit einigen Monaten sind es hauptsächlich zwei Dinge, die mich begleiten. Das Lernen fürs Psychologiestudium und das Tango tanzen. Nach dem ersten Tangokurs hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich mich wieder dem Tango zugewendet habe, aber seit ca. 6 Monaten nimmt der Tango sehr viel Raum in meinem Leben ein. Alles hat angefangen mit einem Bekannten, der auch Tangounterricht gibt und mich fragte, ob ich auch Lust hätte mitzumachen – und so fand ich meine jetzige Tangopartnerin. Nach anfänglichem Zögern gehen wir nun mindestens 2 mal die Woche tanzen und mittlerweile trauen wir uns auch auf Milongas, oder sonstige Veranstaltungen wie zum Beispiel den Winterball, welcher gestern stattfand.

Es war wirklich ein ganz toller Abend in einem schönen Ambiente und mit sehr guter Musik und so verbrachten wir ca. 6 Stunden dort, bis um 4 Uhr Morgens die Lichter gelöscht wurden. Die Vorführung von diesem Winterball habe ich leider noch nicht bei youtube gefunden, und so verlinke ich einfach mal zu Vorführungen aus den letzten beiden Jahren. Auch die geben einen guten Eindruck vom gestrigen Abend: Winterball 2007, Winterball 2008.

Und zum Schluss des Blogeintrags noch etwas für Augen & Ohren: Por Una Cabeza (zweite Version), A La Gran Muneca, Epoca, Querer

Samstag, 12. Dezember 2009

Solitaire

Alles begann auf einem Liegestuhl einer kleinen Insel in einem der nördlichen Atolle der Malediven im Jahr 2006. Meine damalige Freundin und ich machten dort Tauchferien und hier und da spielte sie auch Solitaire auf ihrem iPod. Sie erklärte mir die Regeln und ich begann selbst zu spielen. Am Anfang noch relativ unbeholfen staunte ich immer wieder, wie sie eine Lösung sah, wo ich keinen Ausweg mehr fand. Mit der Zeit haben sich dann aber Heuristiken ausgebildet mit denen ich immer besser zurecht kam.

Heute habe ich gerade mein 1000 Solitärespiel gewonnen. Allerdings habe ich auf dem iPod bereits 6556 Spiele gespielt, so dass dies eine Gewinnquote von 15.25% ergibt. Ist das nun viel oder wenig?

Auf den ersten Blick sind diese 15% ein relativ enttäuschendes Ergebnis nach so viel Übung. Zumal ein Paper von Bjarnson et al. (Searching solitaire in real time) den Prozentsatz der gewinnbaren Spiele auf 82%-91% schätzt. Eine Monte Carlo Simulation über 10 Mio. Solitaire Spiele (The probability of unplayable Solitaire Games) ergab weiterhin einen sehr kleinen Prozentsatz unspielbarer Spiele von 0.25%.

Erstaunt war ich auch, dass es anscheinend bis heute kein Computerprogramm gibt, welches einen guten Solitairespieler schlagen kann. Nach Persi Diaconis, einem Mathematiker an der Stanford University, liegen die Erfolgsaussichten der Computerprogramme bei ca. 7%, während ein guter Solitairespieler auf ca. 15% kommt (Hierzu ein Video).

Noch eine kleine Anmerkung zum Bild: Der Durchschnittsgewinn ist natürlich nicht negativ. Der negative Wert geht auf einen Absturz meines iPod zurück, in welchem plötzlich der durchschnittliche Gewinn als negativer Gewinn ausgewiesen wurde und sich seither langsam der positiven Gewinnzone zuneigt ;-).

Nun aber genug mit der Solitaire-induzierten Prokrastination und auf an die Arbeit. Die ersten Klausuren im Psychologiestudium stehen vor der Tür...

Sonntag, 6. Dezember 2009

Depeche Mode

Heute war es wieder soweit. Depeche Mode waren wieder in Zürich und es war einfach genial!!! Das letzte Konzert von Depeche Mode hier in Zürich war am 28.03.2006 und auch da dran habe ich viele schöne Erinnerungen. Erinnerungen, welche sich mit den Eindrücken des heutigen Abends vermischt haben.

Eigentlich habe ich es ja total verpasst Tickets für das Konzert zu besorgen, aber meine liebe Freundin Antje war ausdauernd genug um noch zwei Tickets zu finden, nachdem das ganze Konzert eigentlich schon ausverkauft war. Doch leider musste sie geschäftlich für drei Monate nach Indien und konnte somit heute gar nicht dabei sein. Antje, Indien mag zwar schön sein, aber Du hast echt was verpasst ;-).

Also habe ich mich gefragt, wer in meinem Umfeld der grösste Depeche Mode Fan ist. Keine wirklich schwer zu beantwortende Frage, wenn man Gina kennt ;-) und so haben Gina und ich dem heutigen Tag herbeigefiebert.

Und was soll ich sagen, DM sind einfach eine Liga für sich. Ein absolut geniales Konzert, das leider viel zu schnell vorüber war.

Montag, 30. November 2009

Gedanken...

Heute sass ich in meinem neuen Sessel und hörte durch Zufall Craig Armstrong. Ich schloss die Augen und wurde zurückversetzt in eine Zeit, in welcher ich oft im Starbucks sass und dort gelesen habe. Genauer gesagt, war es ein Moment, in welchem ich das Buch 'Das Kartengeheimnis' von Jostein Gaarder gelesen habe. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie man die ganzen Gefühle, die man mit einer Situation verbindet durch einen simplen akustischen oder olfaktorischen Reiz wieder nachfühlen oder gewissermassen neu durchleben kann. Und so ging es mir eben auch, als ich völlig entspannt auf dem Sessel lag und 'Lauras Theme' aus der CD 'The Space Between Us' hörte.


Verbunden mit diesem Moment kamen mir auch wieder einige Gedanken bezüglich dem Wort 'Aufmüpfig'. Ich finde immer noch, dass dieses Wort enorm viel an Unausgesprochenem und lediglich angedeutetem Inhalt in sich vereint und gerade eben ist mir ein weiterer Aspekt hierzu eingefallen. Letztendlich vereint das Wort 'Aufmüpfig' für mich einen Antagonismus, welcher die meisten Menschen in ihrem Leben beschäftigt. Nämlich den Antagonismus der Nähe-Distanz.


Einerseits impliziert das 'Aufmüpfig sein' ein solides Fundament der Akzeptanz, Wärme und Geborgenheit, auf Basis der man erst aufmüpfig sein kann. Andererseits impliziert es das Streben nach der Erfüllung der eigenen Freiheit abseits jeglicher Sicherheiten durch eine Art der Revolution. Doch diese Art der Erkundung der eigenen Freiheit (ganz im existenzialistischen Sinne gesehen als die Übernahme der Verantwortung für das eigene Handeln) wirkt wie ein Anästhetikum für das Bedürfnis, welches hinter dem Auflehnen steht. Denn auch dies nimmt das Wort 'Aufmüpfig' vorweg - das Aufmüpfig sein ist nicht von Erfolg gekrönt. Es ist vielmehr ein kurzer Ausflug in die Welt der Revolution um sich danach wieder in die wohl behaltene Welt des Fundamentes einzukuscheln.


Doch welches Bedürfnis steckt nun hinter der Auflehnungskomponente des Aufmüpfigen? Vermutlich der Wunsch des Menschen sein eigenes Potenzial auszufüllen. Sich zu lösen von der Basis, die man bereits als kleines Kind von den Eltern erhalten hat und sich so wohl darin gefühlt hat. Eine Basis ohne Bedingungen. Vielleicht auch sich zu lösen von dieser Basis um selbst eine neue solche Basis zu erschaffen, die ihrerseits wieder für eine weitere Generation anfänglichen Halt und Sicherheit bietet. Auf jeden Fall aber der Wunsch sein eigenes Leben mit dem zu erfüllen, was man selbst ist - oder wie Nietzsche dies sagte: "Werde, der Du bist!".


So gesehen ist die Aufmüpfigkeit ein Experimentierfeld für Kinder, sich bereits der Erfüllung ihres Potenzials zu widmen ohne die beschützende und wärmende elterliche Basis aufgeben zu müssen. Für Erwachsene mag sie hingegen genau das Gegenteil sein - das Herbeisehnen einer bedingungslosen Wärme und Geborgenheit, welche man benötigt um der zu werden, der man ist.