Samstag, 21. Juli 2007

Die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande – Gernot Gricksch

Piet Lehmann ist ein Teil der Kirschkernspuckerbande, zu der auch Dilbert, Sven, Petra, Bernhard und Susann gehören, die alle 1960 in Hamburg geboren wurden; Und dort ist es auch, wo das Buch beginnt. Piet, der Ich-Erzähler des Buches führt uns durch die ersten Jahre der Kindheit, in welcher die sechs Freunde nach und nach aufeinander treffen. Er beschreibt wunderbar, wie sie zu dicken Freunden werden. Immer näher lernen wir die sechs kennen, erkennen die total verschiedenen Charaktere und werden so auch irgendwie ein Teil der Kirschkernspuckerbande, denn so wie die ersten Jahre beschrieben wurden, konnte ich mich wunderbar in die Welt der Sechs hineinversetzten.

Wir sind auch dabei wie sie älter werden und jeder von Ihnen auf die eigenen Herausforderungen des Lebens trifft. Doch trotz all der persönlichen Herausforderungen bleiben die Freundschaften (fast-) immer bestehen und sie treffen immer wieder, in der ein oder anderen Konstellation, aufeinander.

So führt uns Piet durch die ersten vierzig Jahre ihres Lebens. Bis zum 13.7.2000, dem Geburtstag von Piet und gleichzeitig auch dem Tag der Beerdigung von Bernhard.

Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen. Ich habe in den letzten Wochen selten ein Buch so verschlungen wie dieses. Zwar haben mir die meisten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe auch sehr gut gefallen, aber dieses war irgendwie besonders. Man bewegt sich wie in einer Zeitmaschine durch die ersten 40 Jahre der Freunde, erlebt alles so hautnah mit, erkennt Parallelen zum eigenen Leben und sieht sich eigentlich schon nach kurzer Zeit als Teil der Kirschkernspuckerbande. Es war wieder einmal ein Buch, bei welchem ich an vielen Stellen herzhaft lachen musste und an anderen auch geweint habe. Zudem finde ich es sehr flüssig und interessant geschrieben. So flüssig und interessant, dass ich zwischen dem Zeitpunkt an dem ich das Kaffee betrat und anfing zu lesen, bis zu dem Zeitpunkt als ich völlig versunken die letzte Seite umblätterte kaum etwas anderes tat als im Zeitraffer den sechs Freunden durch die Zeit zu folgen. Ein Super Buch!

Donnerstag, 19. Juli 2007

Der Vogel ist ein Rabe – Benjamin Lebert

Paul, der Erzähler der Geschichte, fährt im Nachtzug nach Berlin. Dort trifft er auf Henry, mit dem er sich ein Schlafwagenabteil teilt. Schnell kommen Beide ins Gespräch und Henry steigert sich zunehmend in Erzähllaune. Paul erfährt viele Details über Henrys Leben. Details, die ihn immer wieder wage an sein eigenes Leben erinnern. Doch immer wenn Paul anfängt in seine eigene Vergangenheit abzuschweifen und diese nur ansatzweise dem Leser preis gibt, hat Henry auch schon wieder das Gespräch im Griff.

Henrys Erzählungen kreisen um die bulimische Christine, die er abgöttisch liebt, sowie den übergewichtigen Jens, den Christine in der Klinik kennen gelernt hat. Alle drei Schicksale verfliessen im Laufe der Geschichte ineinander und es wird immer offensichtlicher, dass sie sich nicht ohne eine grössere Katastrophe wieder entflechten lassen. Gegen Ende des Buches spitzen sich die Geschehnisse zu und plötzlich, kurz vor Schluss, wird aus dem Hauptstrang der Handlung, von der Henry berichtet, ein unbedeutender Nebenarm. Es sind lediglich ein paar leise Gedanken von Paul, 30 Minuten vor der Ankunft in Berlin, die den Leser fesseln und alles Andere in den Schatten stellen.

Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn es nicht wirklich tiefgründig war. Dennoch war es unterhaltsam und man hat es gut an einem Abend ausgelesen. So sass ich also am See auf den warmen, von der Sonne des Abends gewärmten Steinen, und habe das schöne Wetter genossen ;-).

Montag, 16. Juli 2007

Denkanstöße für Glückssucher - Julika Jänicke

Wie sieht sie aus, die Anatomie des Glücks? Was ist Glück überhaupt? Hängt das Glücklichsein lediglich vom eigenen Standpunkt ab oder gibt es universelle Glücksfaktoren? Ist Glück ein geistig/philosophisches Konzept oder gibt es auch biologische Ursachen? Auf all diese und noch viel mehr Fragen versucht dieses Buch, wenn nicht eine Antwort, dann doch eine Sammlung von Sichtweisen zu geben, die die eigene Kreativität anregen sich mit dem Thema zu beschäftigen. Eine Beschäftigung, die ich in diesem Falle einer mir sehr nahestehenden Person verdanke, die mir dieses Buch geschenkt hat.

Das Buch besteht aus einer Sammlung einzelner Texte von insgesamt 21 Autoren zum Thema Glück. All diese Texte sind in die Kapitel 'Was ist Glück?', 'Die Regeln des Glücks', 'Die Biologie des Glücks', 'Das Glück der Sinne', 'Das spirituelle Glück', 'Glück miteinander' und 'Glück im Unglück' aufgeteilt. Bei der ersten Betrachtung dieser Kapitel könnte man annehmen, dass es sich um einen weiteren Ratgeber zum Glücklichsein handelt. In der Tat empfand ich dieses Buch jedoch eher als eine Sammlung verschiedener Sichtweisen auf das Phänomen Glück, welche mich sehr zum Nachdenken angeregt hat. So habe ich mich also das vergangene Wochenende tief mit dem Thema Glück beschäftigt (mit ‚Thema Glück’ meine ich übrigens nicht nur ‚glücklich sein’) und habe dabei neben alten Gedankengängen auch wirklich neue Zusammenhänge entdeckt.

Normalerweise schreibe ich meine Gedanken in Stichworten immer an die Ränder der Seiten und mache ein Eselsohr, so dass ich sie später auch wieder finde. Das hat bei diesem Buch dazu geführt, dass es vor Eselsohren nur so wimmelt ;-). Von daher wäre es Rahmensprengend, wenn ich versuchen würde meine Gedanken wiederzugeben. Ich kann das Buch aber auf jeden Fall empfehlen, wenn man sich für das Phänomen Glück interessiert.

Sonntag, 15. Juli 2007

Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah – Haruki Murakami

Nach 'Gefährliche Geliebte' ist dies mein zweites Buch, welches ich von Haruki Murakami gelesen habe. Dieses Buch ist eine Sammlung von 9 Kurzgeschichten und die Titelgeschichte hat mich auch sehr an 'Gefährliche Geliebte' erinnert. Die verschiedenen Geschichten sind jedoch sehr unterschiedlich in Aufbau und Inhalt. Während die ersten vier Geschichten doch noch stark am wirklichen Leben angelehnt sind, driftet Murakami mit den Geschichten 'TV-People', 'Das grüne Monster' und 'Der tanzende Zwerg' sehr in den Bereich der Fantasie-Erzählungen ab. Dabei haben mir 'TV-People' und 'Das grüne Monster' überhaupt nicht gefallen. 'Der tanzende Zwerg' hingegen hat mich an eine moderne Fantasie-Version von Faust erinnert.

Die beiden lesenswertesten Geschichten in diesem Buch waren für mich 'Das Schweigen' und 'Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah'. Beides Geschichten, die in der realen Welt spielen und doch ganz unterschiedliche Themen haben. In 'Das Schweigen' geht es um einen ruhigen, angenehmen und sehr zurückhaltenden Arbeitskollegen, der angeregt durch eine Frage des Erzählers einen grossen Teil seiner Lebensgeschichte erzählt. Dabei zeichnet er ein gutes aber auch beunruhigendes Bild unserer Gesellschaft.

'Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah' hingegen, ist fast eine Geschichte in der Geschichte auf lediglich 5 Seiten. Oberflächlich geht es um die Sehnsucht nach dem perfekten Mädchen. Ich bin jedoch überzeugt, dass dies nur ein Beispiel davon ist, in welchem unsere Sehnsucht Dinge erträumt, die unsere Fantasie sodann wie ein Malbuch ausmalt und somit der Sehnsucht eine Gestalt gibt. Eine Gestalt, die wir nun in der wirklichen Welt suchen. Murakami trifft nun auf genau solch eine, zur Gestalt gewordenen Sehnsucht. Indem er das perfekte Mädchen jedoch vorbeiziehen lässt, bewahrt er sein Bild, wie er es in seinen Gefühlen hat, vor dessen Zerstörung. Denn die Realität hat nicht den Anspruch unseren Erwartungen und Bildern gerecht zu werden.

Wenn ich diesen Gedanken noch weiter denke, und damit den Rahmen des Buches vollkommen verlasse, dann könnte man weiter ableiten, dass die Liebe, die wir suchen zum Scheitern verurteilt ist, denn je mehr wir das Malbuch der Sehnsucht mit unseren Vorstellungen ausgemalt haben, desto mehr werden wir der Enttäuschung erliegen. So gesehen hat die Liebe, die uns unerwartet ereilt, die grösste Chance eine Erfüllte zu werden. Denn in diesem Fall malen beide zusammen und in der Realität ihre Sehnsüchte aus.

Samstag, 14. Juli 2007

Ein Tag im Zoo

Heute bin ich mal früher als sonst am Wochenende aufgestanden und hab das Wochenende nicht wie die letzten Wochen mit einem Buch im Bad und Kokos-Schaum begrüsst. Stattdessen war ich am Zoo Zürich und habe mir eine Jahreskarte gekauft. So habe ich also den ganzen Vormittag und bis in den Nachmittag hinein im Zoo verbracht.

Ziellos durch den Zoo zu spazieren und die Tiere zu beobachten hat mir total Spass gemacht und ausserdem hat es mich sehr an meine Kindheit erinnert. Abgesehen von einem kurzen Zoobesuch in der 'Langen Nacht der Museen' in 2004 (wo ich übrigens mehr Augen für meine Begleiterin hatte als für die Tiere dort) könnte ich nicht genau sagen, wann ich das letzte Mal in einem Zoo war. Aber es muss über 20 Jahre her sein.

Ich habe auch gemerkt, dass ich Tiere sehr vermisse. Als Kind bin ich mit Katzen aufgewachsen und eigentlich wünsche ich mir schon sehr lang wieder eine Katze. Doch mit der mir zur Verfügung stehenden Zeit sowie der Lage meiner Wohnung ist das kaum möglich, denn ich möchte keine Katze, die immer nur in der Wohnung lebt. Wie früher, würde ich am liebsten eine Katze aufnehmen, die wild aufgewachsen ist, ihren ganz eigenen Kopf hat und die jederzeit wieder gehen kann, wenn es ihr danach ist. Eine Katze, die wenn sie da ist, da sein will. Vielleicht ziehe ich wirklich noch mal deswegen um.
Aber auf jeden Fall werde ich von nun an öfters durch den Zoo wandern und es mir dort gut gehen lassen.

Sonntag, 8. Juli 2007

Schlafes Bruder – Robert Schneider

Wie damals auch der Film, hat mich dieses Buch sehr bewegt. Es dauert einige Seiten, bis man sich in die Sprache des Buches eingelesen hat, dann gewinnt sie jedoch unglaublich an Plastizität, so dass das Leid und die Tragik, welche Johannes Elias Alder in seinem Leben begegnen, schon fast erdrückend wirken.

Der musikalisch hochbegabte Johannes Elias Alder wächst in einem abgelegenen Bergdorf im Voralbergischen zwischen Neid, Missgunst und der realen Härte des Lebens, als Sonderling auf. Seine Feinfühligkeit und Sensibilität, welche sich im Roman nicht nur auf musikalische Weise äussern, hindern ihn daran sich in die dort bestehende Gesellschaft zu integrieren. Man könnte es vielleicht auch zutreffender formulieren: Seine Feinfühligkeit und Sensibilität werden von den Menschen des Dorfes, wie auch seinen eigenen Eltern aus Angst vor der allgemeinen Meinung, nicht verstanden, ja sogar als bedrohlich empfunden und so wird Elias aus der Gemeinschaft des dörflichen Konsenses verstossen.

Stellenweise scheint sein Leben durch die Liebe zu Elsbeth wieder an Sinn und Hoffnung zu gewinnen. Es ist jedoch dieselbe Liebe, die ihn letztendlich zugrunde richtet, da sie nie eine Chance fand sich zu manifestieren.

»Darum habe ihm Gott Elsbeth verweigert, denn die Zuneigung sei nur lau und halb gewesen. Eine Aufhäufung von Lügen und Halbherzigkeiten, sei sein sogenanntes Lieben gewesen.«

Vom Glauben besessen, Elsbeth nicht genug geliebt zu haben, beschliesst Elias schlussendlich nicht mehr zu schlafen, denn während er schlafe, könne er nicht mehr lieben...

Schlafes Bruder ist ein sehr eigenes Buch und ich kann mir gut vorstellen, dass man es auch absolut deprimierend oder auch aufgrund der Sprache selbst langweilig finden kann. Bei mir war jedoch das Gegenteil der Fall. Aus all den Sätzen, die ich mir angestrichen habe, ist mir folgender am meisten in Erinnerung geblieben (vielleicht weil dieser mich sehr stark an Stendhal erinnert):

»Welch prachtvolle Menschen - kommt uns der Gedanke wieder - muß die Welt verloren haben, nur weil es ihnen nicht gegönnt war, ihr Leben im Gleichmaß von Glück und Unglück zu leben.«

Samstag, 7. Juli 2007

Tim und Struppi, Der Triumph von Apollo XII - Hergé

Es ist Mittwoch Nachmittag, der 14. Januar 1980. Ich bin aus der Schule zurück und habe meine Eltern (mit viel Energie) davon überzeugen können, dass ich nicht viele Hausaufgaben auf habe und die ohne Weiteres später machen könne. So liege ich nun mit dem Bauch auf dem Boden meines Kinderzimmers, den Kopf in beide Arme gestützt und lese Tim & Struppi. Draussen ist es eisig kalt und eigentlich wollten Franz und ich heute noch Schlittenfahren. Nun aber ist all das vergessen, denn ich bin mit Tim, Struppi, Kapitän Haddock, Professor Bienlein und anderen Abenteurern auf der Reise zum Mond. Die Welt um mich herum ist längst vergessen. Nur der gelegentliche Griff zur Kellogs Smacks Tüte holt mich für einen kurzen Moment wieder zurück in die Gegenwart.

So in etwa habe ich mich heute Nachmittag gefühlt, als ich in der Badewanne lag und die Werksausgabe 12 von Tim & Struppi gelesen habe. Vor einiger Zeit habe ich mir alle 19 Werkausgaben der Tim & Struppi Comics bestellt, einfach weil sie für mich ein grosses Stück Kindheit bedeuten. Ganz spezielle Bedeutung haben aber ein paar wenige dieser Bände. 'Reiseziel Mond' und 'Schritte auf dem Mond' sind genau solche speziellen Bände für mich (Diese Bände sind in der obigen Werkausgabe zusammengefasst). Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als Kind aus allen möglichen Büchern und Zeitschriften alle Details von Raketen und Raumfahrzeugen gesammelt, abgemalt, aufgeschrieben und auswendig gelernt habe. In meinem Zimmer hing auch ein grosses selbst gemaltes Bild der L3S, dem Vorläufer der Ariane 1, welche am 24.12.1979, also 21 Tage vor meinem fiktiven Blogeintrag von oben, erstmals gestartet war.

Eigentlich hatte ich ja vor 'Schlafes Bruder', welches ich gestern angefangen habe heute in der Badewanne fertig zu lesen. Aber irgendwie ist mir eben dieses Tim & Struppi Comic in die Hände gefallen und hat eine grössere Faszination auf mich ausgeübt. Nun werde ich 'Schlafes Bruder' wohl heute Abend im Kaffee oder am See fertig lesen.